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Hallo ihr, hier ist also das erwähnte Tansania-Lexikon, dass sich hoffentlich so nach und nach füllen wird.

A

Ameise, die:

gibt es in Tansania in allen Variationen, von der winzigen, mit bloßem Auge erkennbaren bis zur hühnerfressenden Killerriesenameise (gibt es bei uns aber nicht), nicht zu vergessen sind auch die Termiten. Nunja, in Kigoma muss man auch sein Essen mit gewagten Konstruktionen vor diesen Viechern schützen, das hält sich bei uns eher in Grenzen. Jedoch hat sich in unserem Bad eine Straße mit possierlichen Miniameisen gebildet, die meist abends entsteht und dann durch irgendwelche Spalte in unserem Fensterrahmen ein- und Schlitze in der Decke wieder ausmarschiert. Generell nichts schlimmes, doch erweckten die Tiere unseren Killerinstinkt und wurden bekämpft. Leide bisher nicht sehr effektiv. Als Waffe diente meist meine aus Deutschland mitgeführte Uhu-Tube (schließlich heißt es ja Alleskleber) mit der dann erwähnte Fensterschlitze verklebt wurden. Dumm nur, dass die Tiere keine zwei Stunden später dann schon einen anderen Weg gefunden haben und weiterkrabbeln. Naja, mir war es generell egal, bis ich heute entdeckte, dass die Straße mitlerweile so weit ausgebaut wurde, dass sie über unsere Decke hinweg an der anderen Wand wieder herunter und durch die Tür führt. In Sorge nahestehender Invasionen in meinem Schlafzimmer (→ Oinkchen, das mag keine Ameisen) oder in unserer Lebensmittelkammer beschloss ich, den Ameisen meinen knallharten Kampf anzusagen und bestrich den Fensterrahmen noch einmal großflächig mit Uhu. Mal schaun obs was bringt.

DS

B

Busreise, die:

… oder „Einer geht noch, einer geht noch rein!“.

Zuerst einmal muss man in Tansania unterscheiden zwischen Busfahrten in großen Reisebussen, die man vorher buchen muss und den Fahrten in den kleinen „Daladalas“. Hier geht es um die Fahrten in großen Bussen.

Von vielen Fahrten in den kleinen Stadtbussen gebeutelt, freue ich mich auf eine Fahrt im bequemen Reisebus. Ich steige die Treppe in den Fahrgastraum hoch und muss feststellen, dass man in Tansania auch locker 5 Sitze in eine Reihe bekommt. Auf einer Seite 2 Sitze, auf der anderen Seite 3 Sitze. Erlaubte Arschbreite: 35 cm. Angepeilte Fahrtzeit: 8 Stunden. Ok, dann mal los. Meine Tasche habe ich über mir zwischen einigen lebendigen Hühnern verstaut. Große Gepäckstücke kommen nach unten in den Stauraum, wo sich auch einige Enten befinden.

Ich habe einen Fensterplatz bekommen, während mein Kollege auf der Gangseite auf einer Backe sitzend, immer wieder versucht, sich in die Sitzreihe zu schieben. Vor uns sitzt eine Mama mit ihren 5 Kindern. Nach 10 Minuten Fahrt fängt ein Unwetter an, dabei fällt mir auf, dass mein Plastikfenster sich nicht schließen lässt und binnen weniger Minuten ist meine Hose klatschnass. Fensterplatz eben. In der nächst größeren Stadt wird angehalten und ich hoffe, dass der Bus sich etwas leert, wir vielleicht mit zwei Mann auf dem Dreiersitz sitzen können. Diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Weitere 20 Leute steigen zu und stellen sich in den Mittelgang, eingezwängt zwischen Reissäcken, Plastiktüten mit Fisch und Kartons. Dort werden sie die nächsten 8 Stunden auch noch stehen.

Die Straßenverhältnisse sind katastrophal, dazu Regen – schon bald müssen wir stoppen, da sich ein LKW im Schlamm festgefahren hat. Dahinter hat sich eine Schlange von 15 LKW’s gebildet. Unser Bus hat eine Schaufel dabei, mit der der LKW irgendwie ausgebuddelt wird. Da uns die Schaufel gehört, können wir auch erst nach einer Stunde weiterfahren, als sich der Stau aufgelöst hat. Irgendwann knallt es laut im Getriebe und alle steigen aus. Drei Stunden lang liegen verschiedene Leute unter dem Bus und reparieren, dann kann es weitergehen. Wir kommen auf eine Teerstraße und halten irgendwann an einem Checkpoint und warten auf eine Soldateneskorte, die uns durch ein gefährliches Gebiet begleiten soll. Nach einer halben Stunde verliert der Busfahrer die Geduld und heizt mit Affenzahn alleine durch das Gebiet. Jede Banditenbande wäre gnadenlos überrollt worden. Leider kommen wir in die Dunkelheit und müssen über Nacht in einem kleinen Städtchen bleiben. Für 2,20 Euro pro Nacht finden wir eine Unterkunft. Am nächsten Morgen um 5 Uhr geht es weiter, mit einer Fähre über den Victoriasee. Drüben angekommen fährt der Bus ohne uns schon weiter, während wir noch auf der Fähre sind. Also mit den Taxi hinterher zur Endstation.

Im nächsten Bus habe ich wieder so ein Glück. Fensterplatz! Diesmal sind die Fenster dicht, aber es tropft mir durch das Dach die ganze Zeit auf den Kopf. Auf einer weiteren Fahrt steht ein Mann in Handschellen neben mir. Während der stundenlangen Fahrt über Staub- oder Teerstraßen verfalle ich in eine Art Trance. 10 Stunden sind gar nicht so lang. Wir kommen immer wieder an Checkpoints vorbei. Schon in den Stunden davor hat der Busfahrer Probleme, da er anscheinend den ersten Gang nicht einlegen kann. Mittags, an einem Checkpoint mitten im Nirgendwo kann der Bus dann nicht mehr anfahren.

Die nächsten Stunden werden mit Reparaturversuchen verbracht, zwischendurch kommen Gerüchte über einen Ersatzbus auf, der uns abholen soll. In einem kleinen Hoteli essen wir Reis mit Bohnen. Einer unserer Mitfahrer zeigt mir stolz ein Huhn, das er zum Abendessen gekauft hat. „Abendessen? Da sind wir doch längst zuhause!“ Die Stunden vergehen, man liegt im Gras, redet mit unterschiedlichsten Leuten und der Ersatzbus ist nicht in Sicht. Der Reiseleiter ist über alle Berge verschwunden. Es wird dunkel und es wird klar, dass heute hier nichts mehr fahren würde. Also eine Nacht im Bus. Dort hängt eine Geruchswolke aus Schweiß, Fisch, Huhn und moderigen Sitzen. Irgendein Spaßvogel erzählt eine Story nach der anderen und die Leute lachen sich kaputt. Ich verlege meinen Schlafplatz auf die warme Teerstraße, auf der es sich besser liegen und atmen lässt als im Bus. Während des Einschlafens höre ich immer wieder Gelächter. Irgendwie scheint den Leuten die Strapaze nichts auszumachen, Nachtruhe scheint es aber auch nicht wirklich zu geben. Am nächsten Morgen, nach 18 Stunden Wartezeit, kommt wirklich ein Bus, der uns ohne Unterbrechungen ans Ziel bringt.

In meinen Knochen stecken ungefähr 50 Stunden reine Fahrtzeit. Eine Busreise durch Tansania eben – mit allen Schikanen!

TB

D

Daladala, der:

ist ein lokales Beförderungsmittel der Marke Toyota (Hiace). Es fährt zu Tausenden in Tansania herum und befördert Menschen für sehr kleines Geld von A nach B. Eine Stadtfahrt gibt es für 14 Cent, eine Fahrt von Kasulu nach Kigoma (80 km) kostet 2,70 Euro.

Motto auch hier: Solange man noch bequem atmen kann, ist was faul bzw. steht der Bus. Man fährt los, wenn wirklich keiner mehr reinpasst. Dass der Bus völlig überladen ist, stört den Busfahrer nicht – es kommt ja mehr Geld rein. Erst wenn aufgrund der Überlast was kaputt geht, ist das Erstaunen groß, aber das Risiko wird immer eingegangen. Mein bisheriger Rekord in einem solchen Gefährt liegt bei 28 Leuten. Kleine Kinder werden einfach durchs Fenster reingereicht und bei irgendwem auf den Schoß gesetzt. Mit Gedudel aus dem allgegenwärtigen, batteriebetriebenen Radio und guter Laune geht es los. Bzw. man wird angeschoben, bis der Motor endlich anspringt. Getankt wird meistens nur gerade soviel dass man ankommt. Leider verschätzen sich die Fahrer doch recht häufig, was dann damit endet, dass man in der Pampa liegenbleibt und der Fahrer mit einem Kanister ins nächste Dorf rennt um Benzin zu holen. Am Ende der Fahrt spürt man jeden Knochen, kann seine Beine nicht mehr bewegen, ist im Gesicht voller Staub aber doch glücklich wenn es ohne Panne geklappt hat.

Bemerkenswert sind immer die aussagekräftigen Sprüche, die die Daladalas immer großformatig auf der Heckscheibe kleben haben. Hier eine Auswahl meiner persönlichen TOP-10-Sprüche:

Platz 10: First Mama (wo steckt da der Sinn?)

Platz 9: Good Hope (wahrscheinlich darauf, dass man unbeschadet ankommt)

Platz 8: Tutarudi tena („Wir kommen wieder!“ – man weiss nur nicht wann)

Platz 7: Good Jouney (soll eigentlich „Journey“ heißen – kleiner Rechtschreibfehler)

Platz 6: Gloliousa (Kisuenglisch für „glorious“  - herrlich. Das R durch ein L ersetzt, Vokal ans Ende, fertig.)

Platz 5: No Fear! (wenn ihr diese Karre sehen würdet, wüsstet ihr warum der Spruch draufsteht)

Platz 4: Slow but sure (sagte mein Vater schon immer)

Platz 3: Better late in this life than early in the next! (Dann fahr doch auch bitte so!)

Platz 2: With women you never know (das musste auch mal gesagt werden)
Platz 1: Another day in Paradise (wenn die Tansanier sich so das Paradies vorstellen, sollten die Missionare hier Gas geben )

 

 

Dusche, warme:

Warm duschen? Kein Problem! Es gibt sogar zwei Möglichkeiten: Entweder man besorgt sich Feuerholz, hackt es klein, stopft es in die Feuerstelle unter unserem Warmwasserboiler und zündet es dann an. Nach einer Weile erwärmt sich das Wasser im Boiler fühlbar. Das Problem: Es wird sogar sehr warm. Heiß. Und da wir nur eine Wasserleitung haben, ist dann eher knallheiß denn warm duschen angesagt. Es sei denn, man erwischt den kurzen Zeitraum, indem das Feuer erloschen ist, das Wasser wieder abkühlt und auf einer angenehmen Temperatur steht. Klingt zu kompliziert? Stimmt!

Darum weiche ich im Normalfall auf Methode zwei aus: Man nehme einen Wasserkocher, zwei Thermoskannen und einen ganz gewöhnlichen 10-Liter-Eimer. Man fülle Wasser in den Kocher, bringe dies zum Kochen, fülle dann nacheinander die Thermoskannen ab und schraube diese zu. Man erhitze erneut Wasser im Kocher, fülle dies zusammen mit dem Inhalt der besagten Thermoskannen in den 10-Liter-Eimer, so dass sich in ihm nun etwa 3-4 Liter fast kochendes Wasser befinden. Dann fülle man nach Belieben so viel Kaltwasser hinzu, bis es die gewünschte Temperatur erreicht hat. Nun aber schnell unter die Dusche, Schale in den Eimer tauchen, Augen schließen, Schale über dem Kopf ausschütten und genießen.

DS

 

E

Essengehen, auswärts:

Wenn man mal keine Lust hat auf Fasten, keine Haushälterin mehr hat oder einfach mittags nicht die Kraft hat, mit dem Fahrrad den Berg zum Mittagessen hochzufahren, bietet sich der Besuch eines landesüblichen Hotelis an. Der Name Hoteli steht dabei in keinerlei Verwandtschaft mit dem Wort Hotel. In diesem Hoteli bekommt man für kleines Geld einheimische Kost. Die Speisekarte ist schnell aufgezählt: Die Hauptspeisen sind Reis, Kochbananen oder Ugali (Maisteig). Dazu kann man wählen zwischen Bohnen und grünen Blättern, bei uns auch als Spinat bekannt und verschiedenen Fleischsorten: Rindfleisch gibts fast immer, oft auch Huhn, manchmal Dagaa (kleiner Fisch). Ich betrete also das schnuckelige Restaurant und werde mit einem erfreuten „Karibu!“ begrüßt. Falls grad kein Tisch frei ist, setze ich mich einfach an einen besetzten Tisch. Ich bestelle z.B. Wali na N’gombe, also Reis mit Rindfleisch. Bohnen gibt’s immer dabei. Das Rindfleisch ist spärlich, Knochen und Fett sind oft in der Überzahl. Zu trinken gibt’s eine Soda, also Cola, Fanta oder so. Ich bestell eine Fanta Passion. Schon bald kommt die liebe Frau wieder und bringt mir eine Sprite. Ich wollte aber keine Sprite. Sie tanzt wieder ab und bringt eine Cola. Was solls. Normalerweise isst man nur mit einem Löffel, in besseren Hotelis gibt es auch Messer und Gabel. Nachtisch gibt es immer. Entweder eine Banane oder ähnliches oder aber einen leckeren Obstsalat. Zutaten: Papaya, Melone, Ananas und Gurke. Ja, Gurke!! Nach dem Essen bezahle ich meine Rechnung über 2500 Schilling mit einem 10000er-Schein. Keine gute Idee, wenn man danach schnell zum Unterricht muss. Warum? Hamna Chengi! Kein Wechselgeld. Ich bezahle also quasi einen Betrag über 1,25 Euro mit einem 5 Euro Schein – dem größten Schein in Tansania. Die Kellnerin rennt zu allen Shops in der Nachbarschaft und sucht sich das Wechselgeld zusammen. Das passiert fast jedes Mal. So etwas wie Marktwirtschaft und Konkurrenz kennt man hier nur bedingt. Wenn man z.B. vier nebeneinanderliegende Hotelis zur Auswahl hat, wo man Chips Mayae essen kann (Pommes mit Spiegelei) und entscheidet sich für einen wo man bestellt, dann ist es kein Problem, bei der Konkurrenz am Tisch zu sitzen, wenn sie einem besser gefallen. Sind ja frei, ist kein Problem. Lasse mir meinen Kaffee in Hagen nächstes Mal auch vom Celona ins Extrablatt bringen…

 

 

F

Fahrrad, das:

Ja, wir haben Fahrräder! Durch die ständige Latscherei zwischen unserem Haus und der Stadt, haben wir beschlossen uns jeder den Luxus eines Rades zu gönnen und gestern (3.11.) haben wir uns jeder eines besorgt. Schon der Kauf war erwartngsgemäß eine aufregende Angewohnheit. In Kasulu gibt es gleich eine ganze Straße, in der nur Fahrräder verkauft, gewartet und repariert werden. Dorthin begaben wir uns also mit einem Bekannten, dessen Mutter die Ehefrau eines Fahrradhändlers kennt. Ja, so läuft das hier in Tansania, alles über Beziehungen... Jedenfalls sollten wir Räder billiger bekommen, das heißt nicht zum Mzungu-Preis (→ Mzungu, der), was ja schon etwas war. Nachdem wir den Leuten klar gemacht hatten, dass wir kein neues Rad wollten, obwohl wir Weiße sind, ging es dann in einen Hinterhof, wo drei oder vier Stapel mit gebrauchten beisikeli (so heißen die hier lagen. Auf unsere Bitten wurden dann einzelne herausgezogen. Insgesamt eine interessante Auswahl, rostiger, löchriger, klappernder Gestelle mit Rädern, mit und ohne Sattel usw. Das machte uns schon ein wenig besorgt, aber wir suchten uns zwei heraus, die uns gefielen. Diese wurden dann zur Werkstatt transportiert und dann ging es los: Luft aufpumpen, Lenker gradestellen, Kette auswechseln, Gelenke ölen, Licht dranmachen (war im Preis inklusive!), Speichen prüfen usw. Der ganze Spaß sollte 180.000 tansaniche Schilling kosten, Reperaturkosten natürlich exklusive, dafür mussten wir dann noch einmal 10.000 draufzahlen. Ganz tansanisch dauerten die Reperaturen natürlich ewig und wir wollten zum Fußball (→ Fußball, der), aber seltsamerweise überträgt sich das Lebensgefühl Afrikas fast automatisch auf uns und so harrten wir geduldig (→ Geduld, die) und entspannt aus, bis die Räder fertig waren und sie – juchee – endlich in Empfang nehmen konnten. Ein schönes Gefühl, an allen Leuten vorbeisausen zu können. Im Vergleich mit Deutschland entsprechen die Räder etwa den alten Flohmarkträdern, die man schonmal hier und da sieht.

Tommy hat direkt eine ganz besondere Liebesbeziehung zu seinem Rad entwickelt (mal sehen, wann er ihm einen Namen gibt). Obwohl er vorgefahren war, holte ich ihn nach zwei Minuten Fahrt wieder ein, der Schlauch seines Hinterrades hatte die Last seines Hintermanns auf dem Gepäckträger nicht tragen können oder wollen und war geplatzt. Also hieß es umdrehen und einen neuen holen, natürlich nicht, ohne die anfallenden Kosten zu bezahlen (das Wort „Garantie“ dürfte es im Wortschatz des Kisuaheli nicht geben und gekauft ist nun einmal gekauft).

Heute, wollten wir dann zur Bibelschule fahren, diesmal fuhr ich vorne, den Hügel zur Stadt hinunter und dachte mir schon, dass wir die Zeit hier unten sicherlich nicht ohne Unfall überstehen werden. Unten angekommen wunderte ich mich darüber, dass Tommy nicht bald nachkam, schob dies aber auf mangelnde Beinmuskulatur seinerseits. Irgendwann gegen Mitte der Schulstunde kam er dann herein, ziemlich staubig und zerkratzt und konnte hinterher von seinem ersten Direktkontakt mit Tansanias Straßen berichten . Dem Fahrrad ist aber glücklicherweise nicht geschehen. Und Tommy (→ Trottel, der) wird sicherlich auch in ein bis zwei Wochen mit Krücken wieder gehen können.

Wir sind jedenfalls wieterhin gespannt was unsere Fahrräder im Zusammenspiel mit den Holperstraßen noch für Überraschenungen für uns bereithalten – wir halten euch auf dem Laufenden.

(Okay, ich geb es zu, das mit den Krücken war ein Scherz. Ausser ein paar Kratzern und einer Schürfwunde hat er alles lebendig überstanden und jammert auch kaum herum, erstaunlicherweise

DS

Friseurbesuch, der:

ist eine interessante Angelegenheit, für die man nicht allzuviel Zeit einplanen sollte. Es reichen eigentlich ein fixer Einfall auf Kigomas Straßen, wenn die Sonne mal wieder unbarmherzig knallt und 1000 Schilling in der Tasche. In der Erwartung einer angenehmen, wellnessartigen Behandlung, einer aufgedonnerten Rastafari-Frau und dem neuesten Klatsch und Tratsch aus der Stadt betrete ich den Friseurladen. Wer des Kisuaheli nicht mächtig ist und die Schilder nicht lesen kann, achte einfach auf die schwarzen Haare, die vor der Tür liegen. Also rein in den Laden und auf einem der weichen, wenn auch etwas durchgesessenen Sofas platznehmen. Schon bald werde ich hereingebeten. Vorher habe ich mir natürlich schon an dem ausgehängten Plakat internationaler Fußballstars eine passende Frisur ausgesucht, zur Auswahl stehen etwa 45 verschiedene Frisuren. Auf dem Stuhl platzgenommen, suchen meine Augen vergeblich nach Scheren, einem Kamm oder einem Fön. Stattdessen wird einem die Frage gestellt, ob die Haare komplett abgeschoren werden sollen. „Natürlich nicht, Mann!“ Die Frage nach meiner Auswahl aus den 45 verschiedenen Frisuren erübrigt sich, da der gute Herr mit einem elektrischen Haarschneider einfach anfängt. Es gibt nur eine Länge. Nach dem ersten Schnitt quer durch meine Haare muss ich schlucken und sinniere darüber nach, ob ich wirklich einen so riesigen Krater in der Haarpracht habe oder ob der Dreck auf dem Spiegel das Ergebnis verzerrt. Dem Gelächter der draußen wartenden Kollegen entnehme ich, dass es besser ist, nicht mehr in den Spiegel zu gucken und sich lieber überraschen zu lassen. Nach ungefähr 6 Minuten kann ich den Friseurladen mit der Gewissheit verlassen, eine aerodynamische 7mm-Frisur und für die nächsten Monate Ruhe zu haben.

TB 

Fußballspiel, das:

ist eine erheiternde Angelegenheit, solange man selber nicht mitspielen muss. Im Training auf einem Untergrund, welcher sich aus Schotter und Grashügeln zusammensetzt, wird viel gelaufen. Alle Übungen finden im Takt statt, sodass man quasi gezwungen ist, alles mitzumachen, um nicht aufzufallen. Für uns sind diese „Aufwärmübungen“, nach denen ich, Tommy, schon eigentlich aufhören könnte also auch eine koordinatorische Herausforderung. Anschließend spielt man, wenn genügend Spieler zum Training erscheinen (eine feste Anfangszeit gibt es nicht), auf zwei Tore Fußball. Wenn denn zwei Tore (dicke Äste, die annähernd Originalmaße haben) da sind, was leider nicht immer der Fall ist.

Die Spiele in der Kasulu-Liga finden dann immer auf einem Platz statt, welcher sogar eine Wellblechdach-Stehtribüne hat und auf dem das Verhältnis Gras-Staub ein wenig besser ist als auf dem Trainigsplatz. Eigentlich finden die Spiele immer um 16:30 Uhr statt. Es sei denn, die Mannschaft aus Buhurungwe, einem 16 km entlegenen Dorf, kommt mit den Fahrrädern einige Straßen, die der Regen überflutet hat, nicht so schnell entlang. Dann kann es auch schonmal später werden. Oder aufgrund des Starkregens ist man sich nicht sicher, ob gespielt wird und kommt vorsichtshalber mal nur mit der halben Mannschaft, um die andere Hälfte dann noch schnell herbeizutelefonieren. Unterbrechungen gehören dazu. So dauert die Ausführung eines Elfmeters gerne mal eine halbe Stunde, weil der Torwart sich nicht mehr ins Tor stellen will, die Abwehrspieler sich vor den Ball legen und der Schiedsrichter zuerst minutenlang seine Pfeife malträtiert, um schließlich zum Linienrichter zu gehen und abzuwarten, bis die Spieler und Zuschauer die Sache ausdiskutiert haben. Dafür verzichtet der Schiri dann auf eine Halbzeitpause, um nicht in die Dunkelheit zu geraten. Einen Spielabbruch haben wir auch schon miterlebt, nachdem der Platz bedingt durch starken Platzregen nur noch aus Schlamm bestand und das Spiel eher an ein schlechtes Eishockeyspiel erinnerte. Zur Halbzeit hatte der Referee ein Einsehen, bereute seine Entscheidung aber augenblicklich, da die Zuschauer die Hälfte des Eintrittsgeldes wieder zurückverlangten, weil sie ja auch nur 45 Minuten Unterhaltung geboten bekommen hatten. Für unser Team Red Star Kasulu haben wir bisher genau einen Einsatz gehabt, in dem Spiel allerdings auch 4:0 gewonnen. David hat sogar getroffen, allerdings wollte der Schiri das Tor aus unerfindlichen Gründen nicht anerkennen. Wichtig wurde unsere Präsenz allerdings, als ich, mit Verbandsmaterial aus Deutschland ausgestattet, eine klaffende Platzwunde über dem Auge eines Mitspielers mit einem professionellen Turban und Jodsalbe versorgte. Genäht wird sowas nicht. Die Spielkultur erinnert sehr an den englischen Fußball. Schlechte Torhüter und Kick-and-Rush. Weitschusstore gehören zur Tagesordnung, lange Bälle in die Spitze gehören zum taktischen Repertoire jeder Mannschaft.

Noch ein Wort zum Schiedsrichter: Dieser benutzt seine Pfeife immer dann, wenn ein Team einen vielversprechenden Angriff zeigt. Abseits! Wenn in einem Spiel nicht mindestens 20-mal Abseits gepfiffen wird, hat der Mann in schwarz was falsch gemacht. Dagegen gehört das Wort „foul“ nicht zum Wortschatz dieses Mannes. Jegliches noch so überharte Foul ist die Puste für den Pfiff meistens nicht wert. Mal sehen, wie unsere Karriere sich hier noch so entwickelt. Mit meinen neuen, gebrauchten Adidas-Fußballschuhen, die ich für umgerechnet 6,40 Euro auf dem Markt erstanden habe, ist die Motivation auf jeden Fall grenzenlos.

Wie man auf dem Foto (Startseite) erkennen kann, läuft Red Star Kasulu mit England-Trikots auf, allerings hat man auch noch einen Arsenal- und einen Chelsea-Trikotsatz.

TB

 

G

Gottesdienst, der:

Hm, wie soll ich das beschreiben? Fest steht, dass er lang ist. Sehr lang. Extrem lang. Vor allem wenn man nichts versteht. Vor allem wenn man statt auf gepolsterten Sesseln auf Holzbänken ohne Rückenlehne sitzt. Vor allem, wenn man als guter Deutscher natürlich pünktlich da ist (haben wir bisher an bei ein von zwei Malen geschafft) – denn das ist eigentlich nicht Usus. Fest steht auch, dass hier mehr Menschen in die Kirche gehen. Wir kennen ja nur die anglikanische Kirche und schon dort sitzen ca. 700 Leute im Gottesdienst. Und morgens um halb 7 ist noch einer. Und es gibt noch eine zweite Kirche der Anglikaner. Undd Kasulu hat nur 40.000 Einwohner. Und es gibt noch andere christliche Kirchen. Vor allem bei Frauen erfreut sich der Kirchgang sehr großer Beliebtheit. Im Normalfall (das können wir nach unseren vier Wochen hier schon ganz routiniert sagen) sitzen nämlich ungefähr doppelt so viele Weiblein wie Männlein in den Reihen. Getrennt übrigens, wenn es auch null problemo ist, auf der Seite des anderen Geschlechts zu sitzen. Und gesungen wird natürlich auch. Weniger mit allen Gottesdienstbesuchern, als viel mehr von den etwa drei bis vier Chören. Die häufig für jeden Sonntag neue Lieder dichten und sie vortragen. Wobei man sagen muss, dass sie sich für europäische Ohren eh alle relativ gleich anhören. Während dem Singen laufen nebenbei noch E-Gitarre und das unvermeidliche Keyboard. Und getanzt wird dabei auch, und zwar irgendwie anders als bei uns. Afrikanisch halt. So ein Lied kann auch schon mal zehn Mituen dauern, was einen bei der zum siebten Mal gesungen ersten Stophe auch schonmal dazu verleiten kann, sich im weiten Kirchenrund umzuschauen. Und was es da zu sehen gibt. Einen Uhu, der mit stoischer Ruhe im Dachgebälk sitzt und sich das Treiben anschaut. Eine blinkende Lichterkette, die bei uns an den Tannenbaum gehängt würde. Die ganzen Babys auf dem Rücken. Während in Deutschland die kleinen Kinder nämlich im Normalfall erst mit ungefähr drei Jahren das erste Mal in den Gottesdienst mitkommen, sind die hiesigen im Normalfall quasi vom Tag ihrer Geburt an dabei. Und sie schreien nicht. Afrikanische Kinder schreien fast nicht. Warum auch immer, aber es ist so.

Doch wenden wir den Blick zurück zum Gottesdienstverlauf. Zwischen den Chorliedern kommen immer einzelne Schriftenlesungen und Gebete usw bis dann irgendwann die Abkündigungen kommen. Abkündigungen meint Ankündigungen. Und die zieeeeehen sich schonmal ganz gerne. Wer den Grund für oben genannte Länge der Gottesdienste gesucht hat, wird ihn hier vermutlich finden. Denn mit den Abkündigungen nehmen es die Tansanier ganz genau. Erst steht nun irgendeine Person da vorne und liest ihre Tagesordnungspunkte vor. Wer z.B. für den Sondergottesdienst (mit der Sondersammlung) am nächsten Samstag das Feuerholz herbeibringen soll. Wer es bewachen soll. Wer für das Essen sorgt, dass es danach geben soll. Und so weiter und so fort. Wenn dann die erste Person nach ca. dreizehn Tagesordnungspunkten fertig ist, atmet man innerlich auf. Und es folgt der nächste, der nun die Angelegenheiten und Termine der Jugend verkündigt. Dann kommt der Pastor. Und wiederholt das ganze nochmal.

Andrea, eine Missionarin von der Neukirchener Mission, war letzten Sonntag auf dem Dorf und erzählte hinterher, der Gottesdienst hätte nur zwei Stunden gedauert (echt gut für hiesige Verhältnisse). Aber auf dem Rückweg kam sie an einer anderen Kirche vorbei und dort saßen die Leute immer noch. Um kurz vor zwei. Und der Gottesdienst hatte um zehn angefangen.

Nunja, dass die Afrikaner ein anderes Zeitgefühl haben ist ja wohl hinlänglich bekannt.

Irgendwann kommt dann die Predigt. Dann steht da schon einmal ein Pastor vorne und erledigt seine Predigt brüllend. Von der ersten bis zur letzten Minute. Und man staunt, wie er den Lautstärkepegel im Verlauf seiner Rede immer noch weiter steigern kann.

Nun, man merkt schon, ein Gottesdienst in einer Anglikanischen Kirche in Tansania unterscheidet sich schon sehr von dem was man so aus Deutschland kennt und schätzt. Nichtsdestotrotz sind wir nun einmal hier und müssen uns mit den hiesigen Verhältnissen abfinden. Besonders doof ist natürlich, dass wir wie erwähnt nichts verstehen, das würde uns vieles einfacher machen. Trotzdem ist es doch schön, mit Christen zusammen zu sein, trotz aller Sprachbarrieren und Denominationshemmungen. Und das ist das ist doch schon einmal etwas.

Hinweis: Auch wenn manches in diesem Eintrag übertrieben klingt: es ist alles wahr und von uns erlebt.

DS

M

Mzungu, der:

Name der mir ständig hinterhergerufen wird. Quasi mein Künstlername als Star. Wie z.B. Pelé, der im normalen Leben Edson Arantes de Irgendwas heißt (oder so). Kaum betrete ich nämlich die Straßen Kasulus, richten sich alle Blicke auf mich und alle Kinder unter 16 brechen gemeinsam in extasisches „Mzungu“-Gebrüll aus, während die Erwachsenen aus ihren Autos/Motorrädern hupen (wenn sie denn eins besitzen) und mich ehrfürchtig anstarren. Ungefähr jeder dritte Tansanier, an dem ich vorbeikomme sagt nun laut: „How are you?“, wahlweise auch „Good morning“ (am liebsten am Abend) oder aber (wenn es ein ganz besonders kecker ist) „Give me money!“. Also die Standartsätze, die in Tansania auch schon ein zweijähriges Kind kann.

Ich lächle in solchen Fällen geschmeichelt und winke den auf und ab hüpfenden Fans zu. Schon schön, so im Mittelpunkt zu stehen, fühle mich immer sehr wichtig. Frustrierend nur, dass ich die Aufmerksamkeit nicht meiner besonderen Fähigkeit der Ballbehandlung oder meiner Karriere als außergewöhnlicher Musiker/Schauspieler zu verdanken habe, sondern ausschließlich meiner Hautfarbe – denn „Mzungu“ bedeutet schlicht und einfach „Weißer“.

(Hinweis: oben stehende Beschreibung ist leicht übertrieben. Aber wirklich nur sehr leicht.)

DS

O

Oinkchen, das:

Mein treuer Freund und Weggefährte ist natürlich auch dabei. Wird langsam zum Weltenbummler und hat mich schon in diverse Länder begleitet. Mit ihm schläft es sich auch in Afrika einfach besser.

DS